Stille Proteste

Still, aber nicht ruhig. Die Mitveranstalterin bittet via Megafon alle Anwesenden, ihre «Bestellungen» abholen zu kommen. Man wolle pünktlich loslaufen. Einige bewegen sich in ihre Richtung. Um Punkt 13:00 Uhr begeben sich die Weissgekleideten auf den Rundgang durch Wohlen. Es ist ein prächtiger Samstag, die Schutzanzüge reflektieren das Sonnenlicht. Einige Polizeiautos blockieren die Strasse, damit der Menschenzug ungestört seines Weges schreiten kann. Später bittet die Mitveranstalterin, die nun ihr Megafon für ein Mikrofon getauscht hat, um einen Applaus für die «kooperative Polizei». Auch der vierte «Stille Protest» ist ein Erfolg.

Gegründet wurde der Verein am 4. Dezember. Die ersten beiden «Stillen Proteste» waren noch von Privatpersonen organisiert worden. Damals in Zürich, am 7. November 2020, waren es gerade mal 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewesen, die sich als Zeichen des Widerstandes in Weiss hüllten. Beim zweiten Anlass waren es dann schon dreimal so viele. Und am 20. Februar 2021 marschieren dann um die 2'000 Menschen durch Aarau.

Es sind Proteste gegen die Schutzmassnahmen des Bundes, gegen die Impfung, gegen die Maskenpflicht, gegen die Freiheitsberaubung. Sie verlaufen friedlich, wirken andächtig und paradox: Um die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu bekämpfen, überspitzt man sie. Gas- statt Einwegmaske, Gummihandschuhe statt Desinfektionsmittel. «Dein Atem tötet» und «Hinterfrage nicht», aber auch «Impfen macht frei» und «Das Virus sind die Medien». Der Verein gibt sich neutral, versucht die Coronarebellen salonfähig zu machen, doch die antidemokratischen und antisemitischen Züge sind tief verankert. Der Judenstern auf Masken und Pins, Ein Schild mit Alain Berset als orthodoxer Jude und weiterer Nazisymbolik – die Elemente mögen nicht erwünscht sein, trotzdem gehen Veranstalter und Polizei gleichermassen gegen sie vor: Gar nicht. Grund dafür ist unter anderem die Schweizer Rechtsprechung, die Rassismus aufgrund ihrer Löchrigkeit beim besten Willen nicht bekämpfen kann.

In dieser Rubrik teile ich einige der Fotografien, die an «Stillen Protesten» entstanden sind.  Und weil weitere solche Anlässe geplant sind, wird diese Seite auch laufend ergänzt werden.