Rudolf Hess Gedenkmarsch

Trotz warmflackender Fackeln friert einem beim Anblick der Marschierenden die Miene ein. Die Trauer, noch trauriger als sonst, lässt Wunsiedel auflodern und erstarren. Die einen fabulieren die Weltgeschichte, die anderen verteidigen sie vor der Wiederholung. Die rechtsextreme Partei III. Weg läuft durch stille Wohnquartiere. Die Antifa dreht ihre Runden im Stadtzentrum. Die Polizei hält die zwei Welten davon ab, aufeinanderzutreffen. Ein Grossaufgebot blockiert die Strassen. Jährlich.

In diesem unschuldigen bayerischen Ort gedenken Rechtsextreme ungestört Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess. Sie stilisieren ihn zum Märtyrer ihrer Ideologie. Die Gegenseite tut nicht viel mehr, als Zeichen zu setzen. Ein Konflikt der Extreme, der sinnbildlich für Vieles steht.

Der Zug der Antifa ist schon unterwegs. Nachdem die Polizei ihre Fahnenstangen am Bahnhof Wunsiedel auf die per Demonstrationsauflagen vorgeschriebene Länge gekürzt hat, setzt sich der Zug in Richtung Ortskern in Bewegung. Auf ihrer Route streift der schwarze Block jene des III. Weg. Kurz kommt es zu Rangeleien mit der Polizei, dann reorganisieren die Ordner den Zug. Der Zusammenstoss bleibt aus.

Hinter Schirmen versteckt man sich vor Blicken und Bildern. Derweil inszeniert sich die Gegenseite gekonnt. Gegen 19:00 geht das alljährliche Katz-und-Maus-Spiel zu Ende.