Beloiannisz

Nebel hängt in den nackten Ästen. Unerwartet weicht der Asphalt einer lehmig körnigen Pampe. Einstöckige Gebäude kleben aneinander, als müssten sie sich gegenseitig Wärme spenden. Ihre dünnen Arme reichen von der Dachrinne zur Strasse hin. Wasserperlen schmücken die dunklen Sträucher. Fährt ein Auto vorbei, leuchten sie kurz auf. Drei Häuser entfernt steht eine weissgraue Wand in der Landschaft, die sich mit einem bewegt und stets die gleiche Distanz wahrt. Sie schluckt das Licht der zerstreuten Strassenlaternen, dessen Gelbstich nicht so recht zur monotonen Landschaft passen will. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Beloiannisz kehren heim, es dunkelt ein.

Beloiannisz liegt eine knappe Autostunde von Budapest entfernt. Die Geschichte des Dorfes ist jung: 1950 durften griechische Flüchtlinge, die dem Bürgerkrieg zuhause entflohen waren, sich hier niederlassen. Noch heute leben viele Griechen in der Gemeinde, auch wenn ein Teil der Bevölkerung nach dem Ende der Junta 1974 in die Heimat zurückgekehrt ist. Beloiannisz verfügt über eine griechisch-orthodoxe Kirche und ist immer noch regelmässig Schauplatz griechischer Volksfeste.

Entstanden sind die Aufnahmen im Dezember 2021 mit der analogen Leica M6 und Fomapan 200. Dieser Schwarz-Weiss-Film half mit seiner Grobkörnigkeit und kontrastreichen Wiedergabe die ungewöhnliche Atmosphäre im kleinen Ort einzufangen.